Vorzeige-Dorf der Energiewende soll für Braunkohleverstromung weichen

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Das ARD-Magazin Monitor berichtet in der Sendung vom 14.9. über das Dorf Proschim in der Niederlausitz. Mithilfe von Biogas- und Photovoltaikanlagen und einem eigenen Windpark erzeugt das Dorf 10 mal so viel Strom wie es selbst verbraucht.

Zum Vergleich: in Garbsen ist es mindestens entgegengesetzt: Bei uns wird derzeit mehr als 10 mal soviel Strom verbraucht wie selbst regenerativ erzeugt – also viel zu wenig!

Proschim hat allerdings ein anderes Problem: es liegt am Rande eines riesigen Braunkohletagebaus (siehe etwa hier auf OpenStreetMap)  und die Bagger kommen immer näher. Da die Bundesregierung weiter auf Braunkohleverstromung setzt, wird es wohl bald verschwinden.

Der gesamte Artikel findet sich HIER . Im Video beginnt das Thema bei Minute 3:50. Der Originalton des Videos ist auch im Text zu finden; dort am besten nach dem Stichwort „Proschim“ suchen.

Speicher statt Trasse!

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Es gibt immer mehr Initiativen, die darauf abzielen, die Energiewende mit Hilfe von Stromspeichern auf den Weg zu bringen. So hat Prof. Dr.-Ing. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin berechnet, dass die Energiewende erreicht wird, wenn jeder dritte Haushalt in Deutschland einen Stomspeicher aufweist. Eine Initiative zur Installation weiterer Stromspeicher in den Haushalten kommt beispielsweise aus Bayern. Die Privathaushalte haben den Erfolg der Energiewende sozusagen selbst in der Hand. Zentrale Energieversorger oder Netzbetreiber spielen in diesem Ansatz keine Rolle mehr. Die gleiche Argumentation verfolgt auch Hermann Scheer in seinem Buch zur Energieautonomie.

Der Stromspeicher im eigenen Haushalt ist längst keine Zukunftsvision mehr. Es gibt dazu bereits viele Angebote auf dem Markt. So bietet die sonnen GmbH aus dem Allgäu die „Sonnenbatterie“ an: eine Speicherlösung für den Privathaushalt mit Kapazitäten von 2 bis 16 kWh. Es gibt unzählige weitere Anbieter solcher Produkte, wie etwa die Firma Tesla – bekannt durch die Herstellung von Elektroautos – aber auch Energiekonzerne wie E.ON (siehe etwa hier). Viele weitere Infos über Speicherlösungen findet man hier in einem Vortrag gehalten beim B.U.N.D Hannover.

Die Firma Tesla liefert auch Stromspeicher in größerem Ausmaß: Lösungen für Stadtwerke, die damit Schwankungen von lokal erzeugten regenerativen Energien ausgleichen können.

Wozu braucht man also den überdimensionierten SuedLink?

Daimler und Enercity bauen Batteriespeicher

In Herrenhausen entsteht ein Synergieeffekt ganz besonderer Art:

Der Kfz-Hersteller Daimler muss für seine Flotte von Elektro-Smarts viele Batteriemodule als Ersatzteile vorhalten. Wenn diese jedoch konventionell gelagert werden, drohen Kapazitätseinbußen durch Tiefenentladung. Die Batteriezellen müssen also regelmäßig ge- und entladen werden, sogar noch bevor sie im Elektromobil zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang entstand eine Kooperation mit den Stadtwerken Hannover: Da hier bereits ein sehr großer Teil an regenerativ erzeugtem Strom angeboten wird, besteht Bedarf, die Leistungs-Schwankungen der erneuerbaren Energien zu glätten. Dazu kommt ein Stromspeicher wie gerufen. Enercity und Daimler AG haben sich daher zusammengetan, um gemeinsam ein Batteriespeicherwerk in Herrenhausen zu bauen. Es soll 3000 der Smart-Batteriemodule enthalten und wird eine Speicherkapazität von 15 MWh haben.

Enercity und Daimler unterstützen damit beispielhaft die Energiewende. Solche dezentralen Speicherlösungen sind effektiv und vor allem risikoarm im Vergleich zu einem höchst umstrittenen und extrem kostenintensiven Projekt wie dem SuedLink. Wozu braucht man diese teuere, umweltschädigende und anfällige zentrale Stromtrasse, wenn man derartige dezentrale Batteriespeicher haben kann? Süddeutschland hat noch viel ungenutztes Potential für Windstrom, und auch viel mehr Sonnenstunden als der Norden. Statt den Strom quer durch die Republik nach Süden zu leiten, macht es viel mehr Sinn, ihn vor Ort erneuerbar zu produzieren und die Schwankungen mit solchen Batteriespeicherlösungen (oder Power-To-Gas-Anlagen) auszugleichen!

Weitere Artikel zum Batteriespeicher-Projekt in Herrenhausen:

https://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2016/2016-02-01-batteriespeicher/
https://www.enercity.de/presse/pressemeldungen/2016/2016-11-21-Umweltminister-Wenzel-besucht-Herrenhausen/
http://m.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/enercity-setzt-verstrkt-auf-speicher_100025179/
http://www.elektroniknet.de/elektronik-automotive/elektromobilitaet/energiespeicher-aus-smart-batterien-bauen-127116.html

Alternative zu SuedLink: Vorträge beim BUND zu Bürgerenergiegesellschaften und Autarkie

Logo der Genossenschaft Natur Energie Region Hannover

Am 9. November konnte man sich beim BUND Hannover im Freizeitheim Vahrenwald zu den Themen regionale Energieerzeugung und Energie-Autarkie informieren:

Hans Mönninghoff von der NaturEnergie Genossenschaft für die Region Hannover hat sehr anschaulich vorgestellt, dass zwar durch die Novelle des EnergieEinspeise Gesetzes (EEG) insgesamt der Zubau von Wind- und Sonnenstromproduktion  massiv begrenzt wird, aber Bürgerenergiegesellschaften privilegiert werden. Das bedeutet, dass wir in der Region Hannover auch in Zukunft eigene dezentrale Bürgerenergie produzieren können!  Hier geht’s zum Vortrag bei bund-hannover.de.

„Sonnen-Batterie“

Autark werden! Dieses Ziel verfolgt Ulf Hansen-Röbel von Corona Solar in seinem Vortrag über Stromspeicher. Ein Autarkie-Grad von 70% ist mit Photovoltaik-Anlagen in Norddeutschland durchaus erreichbar. Im Vortrag werden verschiedene Speichertechnologien für den Hausgebrauch vorgestellt. Es gibt mittlerweile Speichergeräte in den Größen 4-16 kWh, die einfach an die Photovoltaikanlage und das Hausnetz angeschlossen werden können. Konkrete Beispiele werden gezeigt, etwa mit einem erreichten Autarkiegrad von 65%.  Hier geht’s zum Vortrag auf der Seite des BUND Hannover.

Alternative zum Stromnetzausbau: neue Windgas-Anlage

Eine vernünftige Alternative zum überdimensionierten Ausbau des Stromnetzes: Ökostrom vor Ort in Wasserstoff oder Methan umwandeln und im Gasnetz weiterleiten oder speichern. Diese Technologie wird als „Power to gas“ oder „Windgas“ bezeichnet. Damit können Windflauten und Dunkelphasen der regenerativ erzeugten Energien überbrückt werden – also eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende.

Im bayerischen Haßfurt wurde letzte Woche eine solche Anlage in Betrieb genommen. Details dazu auf  greenpeace-energy.de und topagrar.com.

Mittlerweile steigt das Interesse an dieser Technik: Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium sieht Windgas als wichtigen Baustein der Energiewende

Umfrageergebnisse: Ja zur Energiewende – Nein zum Netzausbau

Das Büro für Technikfolgenabschätzung im Bundestag hat im Rahmen des sog. „Stakeholder Panel“ von Nov. 2014 bis Jan. 2015 eine Online-Umfrage zum Thema „Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende“ durchgeführt und veröffentlicht nun die Ergebnisse.

Danach stimmen 72% der Befragten dem Aufbau der erneuerbaren Energien zu und 67% befürworten den Ausstieg aus der Atomenergie. Allerdings lehnen 51% den Ausbau der Stromnetze ab.

85% erwarten große Widerstände beim Netzausbau durch betroffene Bürger. Viele der Befragten gehen ohnehin davon aus, dass ein weiterer Netzausbau für die Energiewende nicht nötig ist und sehen das Vorhandensein von Speichertechnologien und dezentralen Energieversorgungssystemen als viel wichtiger an.

Lesenswert: der vollständige Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung

Buchtipp: ‚Energieautonomie‘ von Hermann Scheer

Das Buch arbeitet zunächst die verschiedenen Vorteile erneuerbarer Energien heraus. Neben der bloßen Klimaneutralität und Unerschöpflichkeit ist für Scheer vor allem das Argument der schnellen und dezentralen Einführung wichtig: während fossile Großkraftwerke jahrelanger Planung bedürfen und damit nicht selten bei Fertigstellung aufgrund veränderter Rahmenbedingungen am Bedarf vorbei produzierten, seien regenerative Energien in vielen kleinen Anlagen wesentlich flexibler einsetzbar. Scheer weist auf die bessere Energieeffizienz der dezentralen regenerativen Energien hin, insbesondere aufgund des Wegfalls umfangreicher Leitungsverluste. Aber auch volkswirtschaftliche Aspekte werden angeführt, wie etwa die Unabhängigkeit von Primärenergie-Importen aus dem Ausland, aber auch die vermehrte Schaffung von Arbeitsplätzen im Energietechnologie-Sektor, und zwar vor allem im Mittelstand.

Der Entwurf eines Twintowers mit integrierten Windrotoren von Prof. Stefan Behling der Uni Stuttgart ziert den Umschlag des Buches.                                       Zeichnung:En

So ist es denn doch verwunderlich, dass wir in der Welt der erneuerbaren Energien trotz dieser vielen Vorteile noch immer nicht angekommen sind. Folgerichtig untersucht Scheer als nächstes sehr ausführlich die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die auf dem Weg zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Energien liegen. Eine der Hauptursachen für das schleppende Vorankommen findet er in den schwerfälligen und sich selbst erhaltenden Strukturen der etablierten Energiewirtschaft. Er beleuchtet die oftmals unheilige Allianz der Politik mit den großen Energieversorgern und ist davon überzeugt, dass das alleinige Warten auf den Durchbruch der erneuerbaren Energien durch die bislang wirkenden Kräfte nicht zum Erfolg führen wird. Scheer führt als Beispiel die interne Studie zweier großer Energiekonzerne an, in der ermittelt wurde, dass die Erneuerbaren bis zum Jahre 2050 den gesamten Weltenergiebedarf decken könnten. Da eine solche Aussage für die Konzerne politisch nicht tragbar war, sei kurzerhand von einer Verdopplung des Energiebedarfs bis 2050 ausgegangen worden, um auch weiterhin die bestehende sehr profitable fossile Sparte weiterführen zu können.

Der zentralistische Ansatz des bestehenden Energieversorgungssystems selbst ist für Scheer eines der größten Hemmnisse auf dem Weg zur Energiewende: „Die These eines enorm langen Zeitbedarfs für die Einführung der neuen Energien wird von Energieexperten aus der Geschichte des konventionellen Energiesystems abgeleitet. Diese Erfahrung gründet sich nicht in erster Linie auf die langen Bauzeiten für Großkraftwerke, sondern auf den noch wesentlich zeitraubenderen Ausbau einer weiträumigen Transport- und Verteilungsstruktur der Energieversorgung. Diese Erfahrung wäre jedoch nur dann auf erneuerbare Energien übertragbar, wenn deren Ausbau sich am überkommenen Vorbild orientieren und den großtechnischen Weg wählen würde. Doch das ist, von Ausnahmen abgesehen, weder technologisch notwendig noch ökonomisch sinnvoll.“ (S. 63 ff.)

Scheer betrachtet auch die internationalen Bemühungen zur CO2-Emissionsreduktion sehr skeptisch. Da man stets Lösungen suche, die von allen getragen werden, gäbe es somit genügend Möglichkeiten, sich hinter suboptimalen, aber national vorteilhaften Abkommen zu verstecken. Auch hier sieht Scheer klar den Vorteil in kleineren dezentralen, durchaus auch unilateralen Ansätzen.

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Zeit online: Keine Angst vor der Energiewende!

Zeit online berichtet über eine Stellungnahme verschiedener Wissenschaftsakademien zu Themen der Energiewende. Darin heißt es: „Die Energiewende funktioniert, wenn man will: Eine Studie von über 100 Experten kommt zum Schluss, dass dafür kein Stromtransport vom Norden in den Süden notwendig ist.

Die Wissenschaftler propagieren verschiedene Lösungen zur dezentralen Energieerzeugung. So wird auf die Wasserstoffgewinnung überschüssigem Ökostrom zur Überwindung der Dunkelflauten bei fehlendem Wind oder Sonnenlicht hingewiesen. Ferner könne dazu ein intelligentes dezentrales Strommanagement mit verschiedenen Batteriespeichern beitragen, aber auch die Nutzung von Erdwärme, sowie der Einsatz flexibler Gaskraftwerke.

Hier geht’s zum Artikel auf Zeit online.