Energieautonome Orte: kein Bedarf für überregionalen Netzausbau

Fotos: Pixabay, CC0

Immer mehr Dörfer und Städte machen sich auf den Weg, die Versorgung mit erneuerbaren Energien selbst zu übernehmen. So berichteten kürzlich der Spiegel und auch eine Reportage des ZDF über die „Stromrebellen“ aus Schönau am Schwarzwald, die – motiviert von den Atomunfällen in Tschernobyl und Fukushima – die Energiewende aus Bürgerhand vorangetrieben haben. Gegen große Widerstände der etablierten Versorgungsunternehmen haben sie die Stromversorgung der Gemeinde übernommen und das Stromnetz zurückgekauft. Mittlerweile wird an fast alle Schönauer Bürger und auch an viele Verbraucher in der Region Ökostrom aus Bürgerhand geliefert. „Das Beispiel Schönau zeigt, dass die Energiewende vor allem dann funktioniert, wenn sie dezentral organisiert ist“, heißt es in der ZDF-Reportage.
Es gibt viele weitere Beispiele dieser Art. So produziert die Gemeinde Freiamt (ebenfalls im Schwarzwald) schon jetzt mehr regenerative Energie und Wärme, als sie selbst verbraucht. Freiamt betreibt mehrere Biogasanlagen, Windräder, Wasserkleinkraftwerke sowie 200 Photovoltaikanlagen und 150 Sonnenkollektoren. Zum Vergleich: Freiamt ist mit 4200 Einwohnern in etwa so groß wie Garbsens Ortsteil Horst.
Aber Energieautonomie funktioniert nicht nur im Schwarzwald. ZEIT.de berichtet über das autarke Dorf Feldheim in Brandenburg, dem sogar der damalige Umweltminister Peter Altmaier 2012 einen Besuch abstattete und bemerkte „das was im Großen noch vor uns liege, werde hier im Kleinen bereits erfolgreich praktiziert.“
Auch im hohen Norden geht man das Thema an: Die Agentur für Erneuerbare Energienn (AEE) meldet, dass im nordfriesischen Braderup Europas größter Hybridspeicher genutzt wird, um den volatilen Wind- und Sonnenstrom zu speichern. Es handelt sich um eine Kombination aus Redox-Flow– (siehe auch hier) und Lithium-Ionen-Batterien. Die Speichertechnologien der Zukunft kann man in Braderup also schon jetzt erleben.
Die TAZ berichtet, in Remstal werde verstärkt auf das Thema der intelligenten Steuerung von Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch gesetzt. Die BürgerInnen-Energie-Genossenschaft Remstal (BEG) betreibt dort ein Plusenergiehaus. Als Speicher kommt ebenfalls eine Litium-Ionen-Batterie zum Einsatz. Energie wird von Photovoltaikanalagen und vom lokalen Blockheizkraftwerk geliefert.

Es gibt unzählige weitere solcher Beispiele:

Es gibt bereits viele Netzwerke und Organisationen, die Kommunen bei dem Weg in die Energieautonomie unterstützen, etwa

Bei deENet findet man in der Liste der Projekte ein Beispiel ganz in der Nähe: Der „Masterplan Landkreis Osnabrück“ soll den Weg aufzeigen, wie man bis 2050 eine 95%ige Reduktion der Treibhausgasemissionen erreichen kann.

Warum sollen wir das in Garbsen nicht auch können?

Übrigens: regional erzeugte Energie aus der Region Hannover gibt’s schon jetzt hier zu beziehen: http://www.naturenergie-hannover.de

So geht’s: Oldenburger Energieversorger plant riesige Redox-Flow-Batterie

Die EWE Gasspeicher GmbH, eine Tochter des Oldenburger Energieversorgers EWE, plant einen riesigen Stromspeicher auf Basis der Redox-Flow-Technologie  zu bauen. Damit soll Wind- und Solarstrom zwischengespeichert und bei Flaute oder Dunkelheit wieder ins Netz abgegeben werden.

Skizze des Redox-Flow-Prinzips (Foto und Zeichnung: En)

Das Redox-Flow-Prinzip ist schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt: zwei unterschiedliche Elektrolyt-Flüssigkeiten werden aus großen Tanks gepumpt und in einer Kammer an einer Membran gegenläufig aneinander vorbei geleitet. Ladungsträger können die Membran passieren. Dadurch entsteht eine Spannungsdifferenz; es kann also Strom erzeugt werden. Sind die Flüssigkeiten entladen und wird an den beiden Seiten der Kammer eine Spannung angelegt, so werden die Flüssigkeiten wieder aufgeladen; man kann also Strom speichern. Dieser Ansatz hat gegenüber anderen Speichertechniken den Vorteil, dass die Ladung nicht mit der Zeit entweicht. Ferner kann man den Speicher unbegrenzt vergrößern, da er nur von der Flüssigkeitsmenge abhängt. Bislang waren die Materialien für den Elektrolyt noch selten und daher teuer, aber mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse, dass sich hier auch organische Materialien und auch Polymere (Kunststoffe) eigenen.

In einer Testphase werden zunächst große Tanks für die Elektrolyt-Flüssigkeiten zum Einsatz kommen. EWE plant, die Flüssigkeiten dann in unterirdischen Gaskavernen zu lagern, die ein Volumen von etwa 200.000 Kubikmetern haben. Damit ließe sich elektrische Energie in der Größenordnung von 700 Megawattstunden speichern. Damit kann man ganz Berlin für eine Stunde mit Strom versorgen. Das wäre nach Angaben von EWE die größte Batterie der Welt!

Ein sinnvoller und Baustein für das Gelingen der Energiewende!

Mehr Informationen zum Thema:

 

26.Oktober: Treffen der Bürgerinitiativen Garbsen in Meyenfeld

Das nächste Treffen der Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink findet am 26.Oktober um 19:00 Uhr im Vereinsheim Meyenfeld statt.

In dem Treffen begrüßen wir einige Mitglieder der Arbeitsgruppe „Energieversorgung 2040“ der Stadt Garbsen und der Stadtwerke zu einem Vorgespräch über die zukünftige Energieversorgung in Garbsen insbesondere im Hinblick auf regionale und erneuerbare Energien.

Vertreter aller Stadtteile sind wie immer herzlich willkommen.

Vorzeige-Dorf der Energiewende soll für Braunkohleverstromung weichen

Foto: Pixabay, CC0

Das ARD-Magazin Monitor berichtet in der Sendung vom 14.9. über das Dorf Proschim in der Niederlausitz. Mithilfe von Biogas- und Photovoltaikanlagen und einem eigenen Windpark erzeugt das Dorf 10 mal so viel Strom wie es selbst verbraucht.

Zum Vergleich: in Garbsen ist es mindestens entgegengesetzt: Bei uns wird derzeit mehr als 10 mal soviel Strom verbraucht wie selbst regenerativ erzeugt – also viel zu wenig!

Proschim hat allerdings ein anderes Problem: es liegt am Rande eines riesigen Braunkohletagebaus (siehe etwa hier auf OpenStreetMap)  und die Bagger kommen immer näher. Da die Bundesregierung weiter auf Braunkohleverstromung setzt, wird es wohl bald verschwinden.

Der gesamte Artikel findet sich HIER . Im Video beginnt das Thema bei Minute 3:50. Der Originalton des Videos ist auch im Text zu finden; dort am besten nach dem Stichwort „Proschim“ suchen.

Thüringer Vorschlag: weitere Alternative betrifft Garbsen

Ausschnitt aus dem Thüringer Trassenvorschlag.
Foto: En, Karte: Bundesnetzagentur

Das Land Thüringen hat einen neuen Trassenvorschlag zum SuedLink bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Es handelt sich um eine Route, die westlicher als die bisher bekannten Trassensegmente 55,57 und 58 verläuft. Sie passiert mit ihren vielen alternativen Segmenten das Steinhuder Meer im wesentlichen westlich, sieht aber auch einen neuen alternativen Trassenkorridor vor, der über die Segmente 57 und 58 verläuft.

Die gesamte Karte mit dem Thüringer Trassenvorschlag kann hier eingesehen werden.

Die Übertragungsnetzbetreiber sollen den neuen Vorschlag nun auf seine Eignung hin überprüfen.

Gesundheitsrisiken der Stromtrassen unklar – Studie soll gestartet werden

Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt mit, dass in den nächsten sechs Jahren verschiedene Studien zu den gesundheitlichen Risiken der Starkstromleitungen durchgeführt werden sollen. Es gibt derzeit noch offene wissenschaftliche Fragen und Verdachtsmomente, dass gesundheitliche Gefährundungen nicht auszuschließen sind. Die Studien werden vom Bundesumweltministerium finanziert.

Zum Artikel beim MDR

Fernstromleitungen sind ungeeignet zum Ausgleich fluktuierender erneuerbarer Energien

Gern wird von den Befürwortern der SuedLink-Trasse die Wichtigkeit dieser Stromleitung für die Energiewende hervorgehoben. Die Übertragungsnetzbetreiber, die von den hohen Durchleitungsentgelten profitieren, reden gar von der „Hauptschlagader der Energiewende“. Der Ausbau von Speichertechnologien wird dagegen nicht thematisiert.

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat einen Artikel veröffentlicht, in dem hergeleitet wird, dass die Energiewende mit diesem Ansatz nicht erreicht werden kann. Selbst bei massivem Ausbau von Wind- und Solarenergieerzeugung kommt es in ganz Deutschland regelmäßig zu Dunkelflauten, wenn keine Sonne scheint und nicht genügend Wind weht. Die erzeugte erneuerbare Wind- und Solarenergie reicht dann bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Umgekehrt wird bei hoher Sonneneinstrahlung und viel Wind viel mehr Strom erzeugt, als benötigt wird. Ein Ausgleich dieses zeitlich verschobenen Mangels und Überangebots kann nur durch durch den Ausbau von Stromspeichern erreicht werden und eben nicht durch Fernstromleitungen. Außerdem muss die Erzeugung regenerativer Energien weiter gefördert und nicht gedeckelt werden!

Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, muss zwangsläufig auf fossile oder atomare Stromerzeugung zurückgegriffen werden; die Energiewende wird somit nicht erreicht.

Das Zahlenmaterial für diese Hochrechnung stammt von der Agora-Initiative, einer Einrichtung, die einen wissenschaftlich-politischen Diskurs zum Voranbringen der Energiewende unterstützt.

Hier gehts zum Artikel in voller Länge auf www.sfv.de.

Hier geht’s nicht durch: Kreuze neu positioniert

Nach der SuedLink-Neuplanung sind andere Bereiche in Garbsen von der Trassenplanung betroffen. Nun führt das Korridorsegment 55 im Westen von Frielingen und die Segmente 57 und 58 westlich und östlich an Schloss Ricklingen vorbei.

Die roten Protestkreuze wurden daher an der Frielinger Straße und an der Schloss Ricklinger Straße neu positioniert.

Klare Botschaft:
Hier geht’s nicht durch!