GARBSEN GEGEN SUEDLINK
Bürgerinitiativen Garbsen

KATEGORIE: REGIONALE ENERGIE

26.05.2018

Alternativer Szenariorahmenentwurf: forcierter überregionaler Netzausbau ist unnötig

Dokument alternativer Szenariorahmenentwurf
Foto: En

Die Grundlage für den Netzausbau - insbesondere im Hinblick auf die Höchstspannungstrassen wie SuedLink oder SuedOstLink - bildet der Netzentwicklungplan. In ihm wird der erwartete Strombedarf für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in verschiedenen Szenarien prognostiziert und daraus der erforderliche Netzausbau abgeleitet. Delikat dabei ist, dass dieser Plan inhaltlich wesentlich von den Übertragungsnetzbetreibern erstellt wird, die dann an den Leitungsentgelten verdienen. Die Bundesnetzagentur wirkt hier im wesentlichen nur qualitätssichernd mit und entscheidet schlussendlich. Alternative Entwicklungspläne oder Szenarien von anderer Seite gab es bisher nicht.

Nun hat sich aber ein Verein gegründet - der energy platform e.V. - , dem Energieexperten mehrerer Bundesländer angehören. Er hat einen alternativen Szenariorahmen erarbeitet und bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Dieser Szenariorahmen geht von völlig anderen Voraussetzungen aus und kommt auch zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Danach kann auf den forcierten Ausbau überregionaler Höchstspannungstrassen verzichtet werden, und das sogar obwohl ein viel größerer Strombedarf in der Zukunft prognostiziert wird.

Die Kernbotschaft ist, dass zur Erreichung der Klimaschutzziele schnell und konkret fossile Energieerzeugung zurückgebaut werden muss, allem voran die aus Braunkohle. Gaskraftwerke werden als Übergangstechnologie gesehen. Der Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung muss massiv vorangetrieben werden. Um aus dem Dilemma herauszukommen, dass bei der naturgemäß schwankenden Erzeugung erneuerbarer Energie ständig eine fossile Ersatzleistung in annähernd gleicher Höhe vorgehalten werden muss, setzt das Konzept von energy platform e.V. massiv auf den Ausbau der Speichertechnologien auf allen Ebenen. Energiespeicher würden im derzeitigen Planungsprozess ignoriert: "Sowohl ÜNB [Übertragungsnetzbetreiber] als auch die BNetzA [Bundesnetzagentur] erklären sich dafür als nicht zuständig", heißt es. Speicher sind aber Schlüsseltechnologien, die teuren Redispatch und das Vorhalten fossiler Ersatzkraftwerke unnötig machen.

Der Alternative Szenariorahmen 2019-2030 von energy platform e.V. enthält noch weitere Kernthesen, um das Ziel der Versogungssicherheit mit regenrativ erzeugtem Strom für den zukünftigen Bedarf zu erreichen:

Viele dieser Punkte haben auch die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink wiederholt gefordert, um die regenerative Stromversorgung von morgen zu sichern und damit die Klimaziele zu erreichen.

Der alternative Szenariorahmen von energy platform e.V. schließt mit der Aufforderung an Unternehmen, Institutionen, NGOs, Vereine und politische Organisationen, sich dieser alternativen Bedarfsplanung anzuschließen und die Energiewende 'von unten' neu zu gestalten.

Hier gehts zum Dokument auf platform-energy.de

21.04.2018

Max-Planck-Institut: Europäischer Stromhandel verursacht gravierendere Schwankungen im Stromnetz als erneuerbare Energien

Die Übertragungsnetzbetreiber argumentieren oft, dass der SuedLink nötig sei, um Netzstabilität zu erreichen und Schwankungen auszugleichen, die durch die Einspeisung erneuerbarer Energien entstehen. Offenbar ist aber auch der europäische Stromhandel maßgeblich verantwortlich für derartige Schwankungen im Netz.

In einer internationalen Studie hat das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) herausgefunden, dass im europäischen Stromnetz alle 15 Minuten besonders starke Schwankungen auftreten. In genau diesem Zeittakt einigen sich die Energiekonzerne auf dem Strommarkt auf neue Einspeiseverteilungen, die in der Folge zu geänderter Einspeisung und damit Schwankungen im Netz führen. Das Göttinger Tageblatt zitiert dazu Prof. Marc Timme vom MPIDS: „Interessanterweise erscheinen die durch Stromhandel hervorgerufenen Frequenzschwankungen im Netz bedeutender zu sein, als solche, die aufgrund der Einspeisung erneuerbarer Energien auftreten“.

Hier geht’s zum ganzen Artikel beim Göttinger Tageblatt

15.10.2017

Energieautonome Orte: kein Bedarf für überregionalen Netzausbau

Fotos: Pixabay, CC0

Immer mehr Dörfer und Städte machen sich auf den Weg, die Versorgung mit erneuerbaren Energien selbst zu übernehmen. So berichteten kürzlich der Spiegel und auch eine Reportage des ZDF über die "Stromrebellen" aus Schönau am Schwarzwald, die - motiviert von den Atomunfällen in Tschernobyl und Fukushima - die Energiewende aus Bürgerhand vorangetrieben haben. Gegen große Widerstände der etablierten Versorgungsunternehmen haben sie die Stromversorgung der Gemeinde übernommen und das Stromnetz zurückgekauft. Mittlerweile wird an fast alle Schönauer Bürger und auch an viele Verbraucher in der Region Ökostrom aus Bürgerhand geliefert. "Das Beispiel Schönau zeigt, dass die Energiewende vor allem dann funktioniert, wenn sie dezentral organisiert ist", heißt es in der ZDF-Reportage.

Es gibt viele weitere Beispiele dieser Art. So produziert die Gemeinde Freiamt (ebenfalls im Schwarzwald) schon jetzt mehr regenerative Energie und Wärme, als sie selbst verbraucht. Freiamt betreibt mehrere Biogasanlagen, Windräder, Wasserkleinkraftwerke sowie 200 Photovoltaikanlagen und 150 Sonnenkollektoren. Zum Vergleich: Freiamt ist mit 4200 Einwohnern in etwa so groß wie Garbsens Ortsteil Horst.

Aber Energieautonomie funktioniert nicht nur im Schwarzwald. ZEIT.de berichtet über das autarke Dorf Feldheim in Brandenburg, dem sogar der damalige Umweltminister Peter Altmaier 2012 einen Besuch abstattete und bemerkte "das was im Großen noch vor uns liege, werde hier im Kleinen bereits erfolgreich praktiziert."

Auch im hohen Norden geht man das Thema an: Die Agentur für Erneuerbare Energienn (AEE) meldet, dass im nordfriesischen Braderup Europas größter Hybridspeicher genutzt wird, um den volatilen Wind- und Sonnenstrom zu speichern. Es handelt sich um eine Kombination aus Redox-Flow- (siehe auch hier) und Lithium-Ionen-Batterien. Die Speichertechnologien der Zukunft kann man in Braderup also schon jetzt erleben.

Die TAZ berichtet, in Remstal werde verstärkt auf das Thema der intelligenten Steuerung von Stromerzeugung, -speicherung und -verbrauch gesetzt. Die BürgerInnen-Energie-Genossenschaft Remstal (BEG) betreibt dort ein Plusenergiehaus. Als Speicher kommt ebenfalls eine Litium-Ionen-Batterie zum Einsatz. Energie wird von Photovoltaikanalagen und vom lokalen Blockheizkraftwerk geliefert.

Es gibt unzählige weitere solcher Beispiele:

Ferner gibt es viele Netzwerke und Organisationen, die Kommunen bei dem Weg in die Energieautonomie unterstützen, etwa

Bei deENet findet man in der Liste der Projekte ein Beispiel ganz in der Nähe: Der "Masterplan Landkreis Osnabrück" soll den Weg aufzeigen, wie man bis 2050 eine 95%ige Reduktion der Treibhausgasemissionen erreichen kann.

Warum sollen wir das in Garbsen nicht auch können?

Übrigens: regional erzeugte Energie aus der Region Hannover gibt's schon jetzt hier zu beziehen: http://www.naturenergie-hannover.de

05.10.2017

So geht's: Oldenburger Energieversorger plant riesige Redox-Flow-Batterie

Die EWE Gasspeicher GmbH, eine Tochter des Oldenburger Energieversorgers EWE, plant einen riesigen Stromspeicher auf Basis der Redox-Flow-Technologie zu bauen. Damit soll Wind- und Solarstrom zwischengespeichert und bei Flaute oder Dunkelheit wieder ins Netz abgegeben werden.

Skizze des Redox-Flow-Prinzips
Skizze des Redox-Flow-Prinzips
Zeichnung: En

Das Redox-Flow-Prinzip ist schon seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bekannt: zwei unterschiedliche Elektrolyt-Flüssigkeiten werden aus großen Tanks gepumpt und in einer Kammer an einer Membran gegenläufig aneinander vorbei geleitet. Ladungsträger können die Membran passieren. Dadurch entsteht eine Spannungsdifferenz; es kann also Strom erzeugt werden. Sind die Flüssigkeiten entladen und wird an den beiden Seiten der Kammer eine Spannung angelegt, so werden die Flüssigkeiten wieder aufgeladen; man kann also Strom speichern. Dieser Ansatz hat gegenüber anderen Speichertechniken den Vorteil, dass die Ladung nicht mit der Zeit entweicht. Ferner kann man den Speicher unbegrenzt vergrößern, da er nur von der Flüssigkeitsmenge abhängt. Bislang waren die Materialien für den Elektrolyt noch selten und daher teuer, aber mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse, dass sich hier auch organische Materialien und auch Polymere (Kunststoffe) eignen.

In einer Testphase werden zunächst große Tanks für die Elektrolyt-Flüssigkeiten zum Einsatz kommen. EWE plant, die Flüssigkeiten dann in unterirdischen Gaskavernen zu lagern, die ein Volumen von etwa 200.000 Kubikmetern haben. Damit ließe sich elektrische Energie in der Größenordnung von 700 Megawattstunden speichern. Damit kann man ganz Berlin für eine Stunde mit Strom versorgen. Das wäre nach Angaben von EWE die größte Batterie der Welt!

Ein sinnvoller Baustein für das Gelingen der Energiewende!

Mehr Informationen zum Thema:

18.09.2017

Vorzeige-Dorf der Energiewende soll für Braunkohleverstromung weichen

Braunkohlebagger
Foto: Pixabay, CC0

Das ARD-Magazin Monitor berichtet in der Sendung vom 14.9. über das Dorf Proschim in der Niederlausitz. Mithilfe von Biogas- und Photovoltaikanlagen und einem eigenen Windpark erzeugt das Dorf 10 mal so viel Strom wie es selbst verbraucht.

Zum Vergleich: in Garbsen ist es mindestens entgegengesetzt: Bei uns wird derzeit mehr als 10 mal soviel Strom verbraucht wie selbst regenerativ erzeugt - also viel zu wenig!

Proschim hat allerdings ein anderes Problem: es liegt am Rande eines riesigen Braunkohletagebaus (siehe etwa hier auf OpenStreetMap) und die Bagger kommen immer näher. Da die Bundesregierung weiter auf Braunkohleverstromung setzt, wird es wohl bald verschwinden.

Der gesamte Artikel findet sich HIER . Im Video beginnt das Thema bei Minute 3:50. Der Originalton des Videos ist auch im Text zu finden; dort am besten nach dem Stichwort "Proschim" suchen.

08.05.2017

Speicher statt Trasse!

Quelle: Openclipart,CC0

Es gibt immer mehr Initiativen, die darauf abzielen, die Energiewende mit Hilfe von Stromspeichern auf den Weg zu bringen. So hat Prof. Dr.-Ing. Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin berechnet, dass die Energiewende erreicht wird, wenn jeder dritte Haushalt in Deutschland einen Stomspeicher aufweist. Eine Initiative zur Installation weiterer Stromspeicher in den Haushalten kommt beispielsweise aus Bayern. Die Privathaushalte haben den Erfolg der Energiewende sozusagen selbst in der Hand. Zentrale Energieversorger oder Netzbetreiber spielen in diesem Ansatz keine Rolle mehr. Die gleiche Argumentation verfolgt auch Hermann Scheer in seinem Buch zur Energieautonomie.

Der Stromspeicher im eigenen Haushalt ist längst keine Zukunftsvision mehr. Es gibt dazu bereits viele Angebote auf dem Markt. So bietet die sonnen GmbH aus dem Allgäu die "Sonnenbatterie" an: eine Speicherlösung für den Privathaushalt mit Kapazitäten von 2 bis 16 kWh. Es gibt unzählige weitere Anbieter solcher Produkte, wie etwa die Firma Tesla - bekannt durch die Herstellung von Elektroautos - aber auch Energiekonzerne wie E.ON (siehe etwa hier). Viele weitere Infos über Speicherlösungen findet man hier in einem Vortrag gehalten beim B.U.N.D Hannover.

Die Firma Tesla liefert auch Stromspeicher in größerem Ausmaß: Lösungen für Stadtwerke, die damit Schwankungen von lokal erzeugten regenerativen Energien ausgleichen können.

Wozu braucht man also den überdimensionierten SuedLink?

13.12.2016

Daimler und Enercity bauen Batteriespeicher

In Herrenhausen entsteht ein Synergieeffekt ganz besonderer Art:

Batterie
Illustration: En

Der Kfz-Hersteller Daimler muss für seine Flotte von Elektro-Smarts viele Batteriemodule als Ersatzteile vorhalten. Wenn diese jedoch konventionell gelagert werden, drohen Kapazitätseinbußen durch Tiefenentladung. Die Batteriezellen müssen also regelmäßig ge- und entladen werden, sogar noch bevor sie im Elektromobil zum Einsatz kommen. In diesem Zusammenhang entstand eine Kooperation mit den Stadtwerken Hannover: Da hier bereits ein sehr großer Teil an regenerativ erzeugtem Strom angeboten wird, besteht Bedarf, die Leistungs-Schwankungen der erneuerbaren Energien zu glätten. Dazu kommt ein Stromspeicher wie gerufen. Enercity und Daimler AG haben sich daher zusammengetan, um gemeinsam ein Batteriespeicherwerk in Herrenhausen zu bauen. Es soll 3000 der Smart-Batteriemodule enthalten und wird eine Speicherkapazität von 15 MWh haben.

Enercity und Daimler unterstützen damit beispielhaft die Energiewende. Solche dezentralen Speicherlösungen sind effektiv und vor allem risikoarm im Vergleich zu einem höchst umstrittenen und extrem kostenintensiven Projekt wie dem SuedLink. Wozu braucht man diese teuere, umweltschädigende und anfällige zentrale Stromtrasse, wenn man derartige dezentrale Batteriespeicher haben kann? Süddeutschland hat noch viel ungenutztes Potential für Windstrom, und auch viel mehr Sonnenstunden als der Norden. Statt den Strom quer durch die Republik nach Süden zu leiten, macht es viel mehr Sinn, ihn vor Ort erneuerbar zu produzieren und die Schwankungen mit solchen Batteriespeicherlösungen (oder Power-To-Gas-Anlagen) auszugleichen!

Weitere Artikel zum Batteriespeicher-Projekt in Herrenhausen:

11.11.2016

Alternative zu SuedLink: Vorträge beim BUND zu Bürgerenergiegesellschaften und Autarkie

Am 9. November konnte man sich beim BUND Hannover im Freizeitheim Vahrenwald zu den Themen regionale Energieerzeugung und Energie-Autarkie informieren:

Hans Mönninghoff von der NaturEnergie Genossenschaft für die Region Hannover hat sehr anschaulich vorgestellt, dass zwar durch die Novelle des EnergieEinspeise Gesetzes (EEG) insgesamt der Zubau von Wind- und Sonnenstromproduktion massiv begrenzt wird, aber Bürgerenergiegesellschaften privilegiert werden. Das bedeutet, dass wir in der Region Hannover auch in Zukunft eigene dezentrale Bürgerenergie produzieren können! Hier geht's zum Vortrag bei bund-hannover.de.

Illustration: En

Autark werden! Dieses Ziel verfolgt Ulf Hansen-Röbel von Corona Solar in seinem Vortrag über Stromspeicher. Ein Autarkie-Grad von 70% ist mit Photovoltaik-Anlagen in Norddeutschland durchaus erreichbar. Im Vortrag werden verschiedene Speichertechnologien für den Hausgebrauch vorgestellt. Es gibt mittlerweile Speichergeräte in den Größen 4-16 kWh, die einfach an die Photovoltaikanlage und das Hausnetz angeschlossen werden können. Konkrete Beispiele werden gezeigt, etwa mit einem erreichten Autarkiegrad von 65%. Hier geht's zum Vortrag auf der Seite des BUND Hannover.

06.04.2018

Alternative zum Stromnetzausbau: neue Windgas-Anlage

Abbildung: En

Eine vernünftige Alternative zum überdimensionierten Ausbau des Stromnetzes: Ökostrom vor Ort in Wasserstoff oder Methan umwandeln und im Gasnetz weiterleiten oder speichern. Diese Technologie wird als "Power to gas" oder "Windgas" bezeichnet. Damit können Windflauten und Dunkelphasen der regenerativ erzeugten Energien überbrückt werden - also eine Schlüsseltechnologie für die Energiewende.

Im bayerischen Haßfurt wurde letzte Woche eine solche Anlage in Betrieb genommen. Details dazu auf greenpeace-energy.de und topagrar.com.

Mittlerweile steigt das Interesse an dieser Technik: Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium sieht Windgas als wichtigen Baustein der Energiewende

07.05.2016

Umfrageergebnisse: Ja zur Energiewende - Nein zum Netzausbau

Quelle: Openclipart, CC0

Das Büro für Technikfolgenabschätzung im Bundestag hat im Rahmen des sog. "Stakeholder Panel" von Nov. 2014 bis Jan. 2015 eine Online-Umfrage zum Thema "Ausbau der Stromnetze im Rahmen der Energiewende" durchgeführt und veröffentlicht nun die Ergebnisse.

Danach stimmen 72% der Befragten dem Aufbau der erneuerbaren Energien zu und 67% befürworten den Ausstieg aus der Atomenergie. Allerdings lehnen 51% den Ausbau der Stromnetze ab.

85% erwarten große Widerstände beim Netzausbau durch betroffene Bürger. Viele der Befragten gehen ohnehin davon aus, dass ein weiterer Netzausbau für die Energiewende nicht nötig ist und sehen das Vorhandensein von Speichertechnologien und dezentralen Energieversorgungssystemen als viel wichtiger an.

Lesenswert: der vollständige Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung

08.03.2016

Buchtipp: 'Energieautonomie' von Hermann Scheer

Das Buch arbeitet zunächst die verschiedenen Vorteile erneuerbarer Energien heraus. Neben der bloßen Klimaneutralität und Unerschöpflichkeit ist für Scheer vor allem das Argument der schnellen und dezentralen Einführung wichtig: während fossile Großkraftwerke jahrelanger Planung bedürfen und damit nicht selten bei Fertigstellung aufgrund veränderter Rahmenbedingungen am Bedarf vorbei produzierten, seien regenerative Energien in vielen kleinen Anlagen wesentlich flexibler einsetzbar. Scheer weist auf die bessere Energieeffizienz der dezentralen regenerativen Energien hin, insbesondere aufgund des Wegfalls umfangreicher Leitungsverluste. Aber auch volkswirtschaftliche Aspekte werden angeführt, wie etwa die Unabhängigkeit von Primärenergie-Importen aus dem Ausland, aber auch die vermehrte Schaffung von Arbeitsplätzen im Energietechnologie-Sektor, und zwar vor allem im Mittelstand.

Der Entwurf eines Twintowers mit integrierten Windrotoren von Prof. Stefan Behling der Uni Stuttgart ziert den Umschlag des Buches.
Der Entwurf eines Twintowers mit integrierten Windrotoren von Prof. Stefan Behling der Uni Stuttgart ziert den Umschlag des Buches
Zeichnung: En

So ist es denn doch verwunderlich, dass wir in der Welt der erneuerbaren Energien trotz dieser vielen Vorteile noch immer nicht angekommen sind. Folgerichtig untersucht Scheer als nächstes sehr ausführlich die Schwierigkeiten und Hemmnisse, die auf dem Weg zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Energien liegen. Eine der Hauptursachen für das schleppende Vorankommen findet er in den schwerfälligen und sich selbst erhaltenden Strukturen der etablierten Energiewirtschaft. Er beleuchtet die oftmals unheilige Allianz der Politik mit den großen Energieversorgern und ist davon überzeugt, dass das alleinige Warten auf den Durchbruch der erneuerbaren Energien durch die bislang wirkenden Kräfte nicht zum Erfolg führen wird. Scheer führt als Beispiel die interne Studie zweier großer Energiekonzerne an, in der ermittelt wurde, dass die Erneuerbaren bis zum Jahre 2050 den gesamten Weltenergiebedarf decken könnten. Da eine solche Aussage für die Konzerne politisch nicht tragbar war, sei kurzerhand von einer Verdopplung des Energiebedarfs bis 2050 ausgegangen worden, um auch weiterhin die bestehende sehr profitable fossile Sparte weiterführen zu können.

Der zentralistische Ansatz des bestehenden Energieversorgungssystems selbst ist für Scheer eines der größten Hemmnisse auf dem Weg zur Energiewende: "Die These eines enorm langen Zeitbedarfs für die Einführung der neuen Energien wird von Energieexperten aus der Geschichte des konventionellen Energiesystems abgeleitet. Diese Erfahrung gründet sich nicht in erster Linie auf die langen Bauzeiten für Großkraftwerke, sondern auf den noch wesentlich zeitraubenderen Ausbau einer weiträumigen Transport- und Verteilungsstruktur der Energieversorgung. Diese Erfahrung wäre jedoch nur dann auf erneuerbare Energien übertragbar, wenn deren Ausbau sich am überkommenen Vorbild orientieren und den großtechnischen Weg wählen würde. Doch das ist, von Ausnahmen abgesehen, weder technologisch notwendig noch ökonomisch sinnvoll." (S. 63 ff.)

Scheer betrachtet auch die internationalen Bemühungen zur CO2-Emissionsreduktion sehr skeptisch. Da man stets Lösungen suche, die von allen getragen werden, gäbe es somit genügend Möglichkeiten, sich hinter suboptimalen, aber national vorteilhaften Abkommen zu verstecken. Auch hier sieht Scheer klar den Vorteil in kleineren dezentralen, durchaus auch unilateralen Ansätzen.

Mithin ist für Scheer das Konzept dezentraler Energieautonomie der Schlüssel und "archimedische Punkt", der die Hemmnisse überwinden und schnell zu einer erfolgreichen Energiewende führen kann. Gemeint ist der Ansatz, dass viele lokale Erzeuger erneuerbare Energien auf dem Markt anbieten, was mit Solar- und Windenergie und Energie aus Biomasse vergleichsweise einfach umsetzbar ist. Auch das Thema Eigenverbrauch ist ein Aspekt der Energieautonomie. Scheer ermuntert dazu, hier initiativ zu werden; er ruft zu einer Art "just do it"-Kultur auf, die die vielfältigen Möglichkeiten nutzen soll: "Der Leitbegriff der Energieautonomie bedeutet, dass eine selbst- statt fremdbestimmte Verfügbarkeit über Energie das Ziel sein muss - frei und unabhängig von Zwängen, Erpressungs- und Interventionsmöglichkeiten, nach eigenen Entscheidungskriterien." (S. 235)

Das Buch ist im Jahr 2005 erschienen und hat seit dem nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Wir haben die Energiewende noch längst nicht erreicht; auch Teilschritte auf dem Weg dorthin wie etwa die Vision einer Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 werden nicht ohne weiteres zu schaffen sein und benötigen neue Impulse. Auch Großprojekte wie die SuedLink-Trasse verfolgen den falschen, nämlich zentralistischen Ansatz. Der Einsatz von Konzepten der Energieautonomie wäre hier effektiver.

Hermann Scheer ist 2010 im Alter von 66 Jahren gestorben. Er war Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, seit 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender von EUROSOLAR, der europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien. Seine Meinung zu aktuellen energiepolitischen Entwicklungen war stets gefragt. Das Thema erneuerbare Energien hat ihn zeitlebens begleitet. Man kann seine leidenschaftliche Haltung dazu in dem Buch sehr gut nachlesen, wenn er etwa einigen - bisweilen unkritisch hingenommenen - Paradigmen mit präziser Argumentation eine komplette Abfuhr erteilt. Beispielsweise der stetigen Forderung nach dem jeweils günstigsten Strompreis. Oder dem Glauben, der Markt würde gesellschafts- und energiepolitische Probleme "von allein" lösen.

24.12.2015

Zeit online: Keine Angst vor der Energiewende!

Zeit online berichtet über eine Stellungnahme verschiedener Wissenschaftsakademien zu Themen der Energiewende. Darin heißt es: "Die Energiewende funktioniert, wenn man will: Eine Studie von über 100 Experten kommt zum Schluss, dass dafür kein Stromtransport vom Norden in den Süden notwendig ist."

Die Wissenschaftler propagieren verschiedene Lösungen zur dezentralen Energieerzeugung. So wird auf die Wasserstoffgewinnung überschüssigem Ökostrom zur Überwindung der Dunkelflauten bei fehlendem Wind oder Sonnenlicht hingewiesen. Ferner könne dazu ein intelligentes dezentrales Strommanagement mit verschiedenen Batteriespeichern beitragen, aber auch die Nutzung von Erdwärme, sowie der Einsatz flexibler Gaskraftwerke.

Hier geht's zum Artikel auf Zeit online.

12.11.2015

ZDF nano spezial: Bottrop geht die Energiewende an

ZDFnano vom 6.11. berichtet über das Projekt InnovationCity, mit dem die Stadt Bottrop auf regenerative und dezentrale Energiegewinnnung umstellt.

Siehe im Video ab Minute 16:25

Kann Garbsen das nicht auch?

01.06.2015

Klartext auf DialogEnergieZukunft(EnBW): Energiespeicher statt HGÜ-Leitungen für die Energiewende

Auf dem DialogEnergieZukunft-Portal von EnBW redet Stephan Grüger (SPD, MdL Hessen, EUROSOLAR) Klartext:

Von wegen Stromüberschuss im Norden: "[Im Norden wird] mit rund 306 TWh pro Jahr mehr Strom verbraucht[], als selbst in der optimistischsten Planung on- und offshore Windstrom produziert werden wird". Grüger fordert Energiespeicher statt teurer HGÜ-Leitungen.

Besonders deutlich wird er in dem Abschnitt "Der (Braun)Kohledeal". Dort heißt es "Südlink ist also NICHT das 'Backbone der Energiewende', sondern eher die Garantie für den Fortbetrieb der alten Kohlekraftwerke[..]."

Hier geht's zum Artikel.

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