Kritisch-konstruktive Gespräche über Energieversorgung in Garbsen

Es geht nicht immer nur darum, gegen etwas zu sein: Die Bürgerinitiativen Garbsen gegen SuedLink lehnen zwar die SuedLink-Trasse ab, bekennen sich aber ausdrücklich zur Energiewende. Gerade wenn direkt vor Ort Energie regenerativ erzeugt und verbraucht wird, sind Fernstromleitungen wie der SuedLink überflüssig. Vertreter der Arbeitsgruppe „Energieversorgung 2040“ Jens-Holger Göttner (SPD), Heinrich Dannenbrink (CDU) und Dirk Grahn (Die Grünen) informierten in der gut besuchten Veranstaltung der Bürgerinitiativen über die Arbeit der Stadtwerke und den Stand der Arbeitsgruppe.

Vertreter der Arbeitsgruppe Energieversorgung 2040 beim Treffen der Bürgerinitiative (Foto: Wendorff)

Insgesamt beträgt der Anteil des in Garbsen regenerativ erzeugten Stroms nicht einmal 10 Prozent. Die Anwesenden waren sich einig, dass man diesen Anteil mit dem richtigen Strom-Mix erhöhen müsse und dass es dazu dringend der Sammlung vieler Ideen und Ansätze bedürfe. Ein erster Vorschlag aus der Runde lautete, dass bei neu ausgeschriebenen Baugebieten in Garbsen klare Vorgaben zur Umweltverträglichkeit und zur energetischen Ausrichtung gemacht werden müssten. Neue Häuser sollten einen möglichst hohen Grad an Energieautonomie aufweisen. Es könne nicht sein, dass heutzutage noch Gebäude entstehen, deren Energiebilanz unter den technischen Möglichkeiten liegt. Entsprechende Vergaberegelungen bei Grundstücken wurden in Garbsen schon angewandt, z.B. Horst-Ost.

Windenergie als regenerative Stromquelle ist nicht unumstritten, wie Waldemar Wachtel vom NABU verdeutlichte. Derzeit wird in Garbsen von nur einem Windrad mit 1 Mio kWh pro Jahr Strom erzeugt, ein Anteil von weniger als einem Prozent des Stromabsatzes der Stadtwerke. Ein weiterer Ausbau der Windenergie ist aufgrund der Bestimmungen im regionalen Raumordnungsprogramm derzeit nicht möglich.

Zudem  werden Stromspeicherlösungen interessant. Dirk Grahn erläuterte, dass sich die Technologie inzwischen stark weiterentwickelt habe. Private Solaranlagen müssten den überschüssigen erzeugten Strom mittlerweile nicht mehr ins Netz abgeben sondern könnten ihn auch speichern. Damit würden Autarkiegrade bis 90% möglich.

Dirk Grahn erläuterte ebenfalls, dass die Stadtwerke Garbsen derzeit im Wesentlichen als Stromverkäufer und -verteiler agierten, aber nur in sehr geringem Maße Strom selbst erzeugten. Heinrich Dannenbrink und Dr. Jens-Holger Göttner ergänzten, dass die Geschäftsführung aber bereits signalisiert habe, dass sie auch bereit sei,  in die Stromerzeugung vermehrt einzusteigen, wenn es denn den politischen Willen und Auftrag dazu gäbe.

Auf die Nachfrage nach Ergebnissen der Arbeitsgruppe mussten die Anwesenden zur Kenntnis nehmen, dass die Arbeitsgruppe seit ihrer Einrichtung vor etwa einem Jahr noch nicht getagt habe. Es fehle an einem Energiekonzeptrahmen, den die Verwaltung zunächst als Grundlage erstellen solle, so Göttner. Aus den Reihen der Bürgerinitiativen wurde großes Interesse signalisiert, dass mit der Arbeit zügig angefangen werde. Organisationen wurden genannt, die Kommunen dabei helfen, sich energieautonom aufzustellen und bei der Erstellung entsprechender Konzepte unterstützen können, wie etwa deENet oder Kommunal erneuerbar. Ferner gibt es eine lange Liste von Orten, die sich mittlerweile autark mit Strom versorgen; auch dort kann man sich Rat holen. Zu dem Thema finden sich weitere Hinweise unter energieautonomie.garbsen-gegen-suedlink.de  Einig ist man sich, dass alle verstärkt mitarbeiten müssen, die Klimaschutzziele zu erreichen.

Dr. Göttner und Dannenbrink erläuterten, dass in der Arbeitsgruppe „Energieversorgung“ neben den Ratsmitgliedern auch Vertreter der Bürgerinitiativen mitwirken könnten. Ein solches Angebot nehmen die Bürgerinitiativen gern an. Gewünscht wird zunächst eine baldige öffentliche Auftaktsitzung der Arbeitsgruppe „Energieversorgung 2040“.